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Friede auf der Erde, Friede bei den Menschen

Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade

Heute Abend kommen wir zusammen, um gemeinsam die Geburt Christi zu feiern.  Wir sind hierher gekommen mit der Bereitschaft miteinander zu begegnen, mit Gott auf einer Art und Weise Neues zu erfahren. Wir sind bereit, diese Gelegenheit als 'nur für Gott allein' feiern zu lassen. Wir lassen dem Herrn das Herz sich öffnen.

Heute Abend singen wir wieder die Weihnachtslieder, die schon seit langem unsere Sehnsucht nach Gott heben. Und der Gesang der Engel "Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade" hören wir wieder im Evangelium. Ein unvergleichbarer Chor! Auf Erden ist Friede...! Ihr Chor hallt immer noch in unseren Ohren wider.

Aber: Friede ist auf Erden?? Je länger wir diesen Gesang klingen lassen, desto mehr erregt er die Zweifel in uns. Als ob wir uns selbst belügen würden. Die Wahrheit ist es, mindestens scheint es so, kein Friede ist auf Erden!
Erheben wir das Haupt und unsere Welt erleben, sehen wir genau das Gegenteil des Friedens. In vielen Ländern führt man schreckliche Kriege. Während wir hier das Lied des Friedens singen, wissen wir nicht, wieviel man in Bosnien und in anderen Teilen der Welt die Waffen gerade feuert, die die Opfer fordern. Und könnten wir heute Abend alle Stimmen hören, erführen wir, wie laut ist 'der Chor' der Schießerei in der ganzen Welt.

Können wir noch über Frieden sprechen, wenn wir ganz bewußt sind, daß die Schreien der Armut in vielen Teilen unserer Welt immer mehr und stärker sind?
Können wir noch 'Frieden ist auf Erden' singen, während das Gebrüll der Opfer der Gewalttaten in der ganzen Welt immer lauter und lauter in unsere Ohren stoßen?

Es gibt so viele die Verletzungen der Menschenrechte, die Ungerechtigkeit und die Kriminalität. Können wir noch ruhig weiter singen, während das furchtbare Bild der immer weit verbreiteten Ausländerfeindlichkeit droht? Diese Litanei, Brüder und Schwestern, können Sie noch fortsetzen. Alles bestreitet unsere Hoffnung auf Frieden auf Erden! Dies alles kann zu einem Pessimismus führen: Friede auf Erden sei unmöglich! Gott tut ja gar nichts!

Und Friede ist bei den Menschen seiner Gnade? Genau dasselbe erfahren wir, wenn wir in uns blicken. Während die Hoffnung auf Frieden in uns schwach glüht, regen wir uns immer noch darüber auf, daß viele Fragen nach dem Sinn unseres Lebens unbeantwortet bleiben. Unsere unerfüllte Sehnsucht brennt immer noch! Es herrschen immer noch Unruhen in uns! Wie können wir ruhig weiter singen, während unser Herz sich vor der unsicheren Zukunft befürchtet? Wie können wir noch in Ruhe beten, wenn unser Herz sich über die Suche des immer mehr Genusses aufregt? Wie können wir die Augen auf das Unvergängliche richten, wenn unser Herz von dem Vergänglichen voll ist?
Alles bestreitet unsere Hoffnung auf Frieden in uns! Mit allen diesen Unruhen in der Welt und in uns fühlen wir uns mutlos, hoffnungslos, klein! Die Hoffnung auf Frieden sowohl in der Welt wie auch in uns sei nur ein Traum und Träume sind ja Schäume! Was kann ich noch von Gott hoffen?

Trotzdem, Schwestern und Brüder, sind wir hierher zusammengekommen. Wir feiern heute Abend die Geburt des Sohnes Gottes. Wir nehmen an den Chor der Engel teil, "Verherrlicht Gott in der Höhe und Friede ist auf Erden bei den Menschen seiner Gnade!" Bei uns seiner Gnade! Da gibt es keinen Zweifel! Ist er nicht Mensch geworden? Wohnt er nicht unter uns?

Das ist keine Lüge, liebe Schwestern und Brüder. Dieses neu geborene Kind Gottes hat uns das in der Ehrlichkeit gebracht. Der Friede bezeichnet sein ganzes Leben und seinen ganzen Weg.

Als er geboren wurde, verkündeten die Engel den Frieden (Lk 2,14). Derselbe Friede wurde von den Jüngern ausgerufen, als er in Jerusalem einzog (Lk 19,38). Aber er selbst versprach Frieden.  Als er einer Sünderin vergab, sagte er: "Geh in Frieden!" (Lk 7:50). Genau das Wort sagte er, als er eine andere Frau heilte, "Meine Tochter, geh in Frieden!" (Lk 8,48). Und er schickte seine Jünger mit dem Befehl, "Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt erstes: Friede diesem Haus!" (Lk 10,5). Ein Gruß, der unser eigener Gruß sein muß!

Nicht nur mit Worten hat er das alles verkündigt. Sein ganzes Leben zeigt uns, wie er den Frieden irgendwo und irgendwie geschenkt hat. Er hat zusammen mit den SünderInnen gegesen und getrunken, und hat ihnen Frieden geschenkt. Er wollte im Haus des Zachäus Gast sein und so schenkte er Zachäus das Heil (Lk 19,5.9). Er wollte an Festen oft teilnehmen und da auch Friede und Freude austeilen.

Würde er heute leben, ginge er auch ins Theater und in die Diskothek. Er würde wahrscheinlich Kneipenbummel machen und da Friede und Freude mit Freunden und Freundinnen verleben. Da muß auch Friede möglich sein!

Sie können diese Liste der Beispiele fortsetzen. Es gibt ja so viele Beispiele in Evangelien! Alles zeigt uns, daß Friede irgendwo und irgendwie möglich ist.
Daher nehmen wir heute Abend teil an dem Chor der Engel. Wir glauben an die Möglichkeit des Friedens in der Welt und in uns. Der Gesang des Friedes soll unser Gesang sein. Die Engel singen nicht für der Himmel, denn Gott kann den Himmel gut bewahren. Vielmehr singen sie für uns hier auf Erden! Das ist eine Einladung, ein Aufruf, daß wir uns für den Frieden in unserer friedlosen Welt einsetzen sollen; daß wir auf den Frieden in uns hoffen und danach streben. Der Gesang des Friedens soll unser eigener Gesang sein. Und wenn wir Frieden in unserem Herzen haben, haben wir den Feuer des Fridens in der Welt angezündet. Als Christen müssen wir beweisen, daß der Friede irgendwo und irgendwie möglich ist! Jesus selbst hat das bewiesen durch seinen Einsatz mit den 'SünderInnen' und durch die Teilnahme an ihren Freuden und Ängsten. Das ist unsere Aufgabe! Hat er uns nicht gesagt, wer standhaft bleibt, wird gewinnen (Lk 21,19)? Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade!

Ein neues Lied, ein bessres Lied
O Freunde will ich euch dichten
Wir wollen hier auf Erden schon
das Himmelreich errichten...
(Heinrich Heine)


Dieser Gedankenimpuls wurde an der Weihnachtsfeier der KMKI Münster in Westfalen im Jahr 1993 gehalten. KMKI ist die Vereinigung der indonesischen Studenten, die in Deutschland studieren.

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